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Schröder über Montagsspiele: Unnötig voreilige Entscheidung

Die 2. Bundesliga schafft die Montagsspiele ab. Eine überstürzte Entscheidung, findet Olaf Schröder, Vorstandsvorsitzender bei Constantin Medien und Vorsitzender der Geschäftsführung von Sport1.

Ich halte die Entscheidung, die Montagsspiele der 2. Bundesliga ab der Saison 2021/22 abzuschaffen, für überstürzt und falsch. Auch aus einer emotionalen Sicht, vor allem aber aus rein rationalen Gründen.

Das Montagsspiel wurde zu einer Erfolgsgeschichte, weil die Ansetzung am Montagabend die oft als „Unterhaus“ bezeichnete 2. Bundesliga erstmals zur besten Sendezeit ins Rampenlicht stellte. Das war und ist gut für die Marke 2. Bundesliga, für die Clubs, deren Sponsoren und vor allem für viele Fußballfans.

Die Kritik einiger Fans, die aufgrund der Montagsspiele teilweise lange Auswärtsfahrten einplanen mussten, darf in diesem Kontext nicht verschwiegen werden und ist aus deren Sicht auch nachvollziehbar. Diese Argumentation sollte allerdings immer im Zusammenhang mit den Fakten betrachtet werden.

Zur Einordnung: In der Saison 2016/17 gab es insgesamt 27 Montagsspiele. Am häufigsten war davon der VfB Stuttgart mit acht Partien betroffen, darunter waren allerdings sechs Heimspiele. Die meisten Auswärtspartien – jeweils vier – standen für den 1. FC Nürnberg und den 1. FC Kaiserslautern auf dem Programm. Die Hälfte aller Clubs bestritt hingegen gar kein oder nur ein Montagsspiel in der Fremde.

Die Auswärtsfahrten betreffen in der Regel nur eine drei- bis vierstellige Zahl an Fans. Im Free-TV hingegen konnten die Partien im Schnitt eine Million Fans verfolgen – auch weil das Montagsspiel in mehr als zwei Jahrzehnten auf dem „gelernten“ Sendeplatz in Fußball-Deutschland zu einer Institution geworden ist.

Vor 1993 führte die gesamte 2. Liga im Vergleich dazu ein Schattendasein, im Fernsehen waren höchstens Kurzberichte zu sehen. Im Sog des Montagsspiels etablierten sich auch Magazin-Sendungen mit den Highlights aller Zweitliga-Partien, die Liga gewann an Relevanz und Popularität. Und nicht nur das: Mit der größeren medialen Präsenz stiegen auch die Zuschauerzahlen in den Stadien, auf durchschnittlich rund 18 000 im Zeitraum zwischen 2010/11 bis 2016/17. Damit liegt unsere 2. Liga zum Beispiel vor den ersten Ligen Russlands und Schottlands.

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Der Autor
Olaf Schröder

Olaf Schröder (47) ist seit August 2017 Vorstandsvorsitzender von Constantin Medien. Er arbeitet bereits seit 25 Jahren für das Medienunternehmen – und hat damit die Montagsspiele der 2. Bundesliga seit ihrer Einführung 1993 als Beteiligter mitverfolgt.

Die gestiegene Attraktivität führte auch zu einer stärkeren Kapitalisierung der 2. Bundesliga und ihrer Clubs. Die Folge war, dass die DFL vor Beginn der seit 2017/18 laufenden aktuellen Rechteperiode aus wirtschaftlichen Gründen entschied, das Montagsspiel exklusiv an Sky zu vergeben. Seitdem ist das Montagsspiel nur noch im Pay-TV mit entsprechend deutlich geringeren Einschaltquoten zu sehen. Die jeweilige Begegnung erhält auch in den Medien abseits von Sky sowie beim Publikum nicht mehr die gleiche Beachtung wie zuvor.

Diese reduzierte Medienaufmerksamkeit wird jetzt auch als Begründung für die Abschaffung des Montagsspiels ab der Saison 2021/22 und die Verlegung auf Samstagabend angeführt. Für die 2. Bundesliga ist der Samstagabend aus meiner Sicht die deutlich schlechtere Wahl – und eine unnötig voreilig getroffene Entscheidung mitten in der laufenden Rechteperiode.

Die Montagsspiele der 2. Liga haben eine besondere Stellung in der deutschen Fernsehlandschaft. Das Zweitliga-Topspiel war die bedeutendste Partie des Tages und hatte im deutschen Fußball eine bundesweite Präsenz. Ob sich das am Samstagabend ähnlich umsetzen lässt, ist fraglich. Denn die Bundesliga nimmt am Samstag mit den Spielen am Nachmittag und dem anschließenden Topspiel um 18.30 Uhr einen medial deutlich größeren Raum ein als die 2. Liga.

Hinzu kommen das Konkurrenzangebot durch andere Sportarten, die allgemein große TV-Konkurrenz am Samstagabend und generell die Fülle an Freizeitangeboten am Wochenende. Der Montagabend als fest etablierter Tag beim Publikum hatte dagegen eine ganz andere Bedeutung als Programm-Leuchtturm für die 2. Bundesliga.

An ein mahnendes Beispiel aus der Vergangenheit sei in diesem Zusammenhang noch erinnert: 2001 wurden die „Ran“-Bundesliga-Highlights von Sat.1 zu Saisonbeginn auf Samstagabend (20.15 Uhr) gelegt. Bereits nach wenigen Spieltagen wurde diese Entscheidung aufgrund geringer TV-Quoten rückgängig gemacht. Die Begründung damals: Der Samstagabend gehört der Familie.

Spobis
SPOBIS 2019
Diskussion über 2. Bundesliga

Schröder diskutiert beim SPOBIS 2019 zum Thema “Wie muss sich die 2. Bundesliga für eine erfolgreiche Zukunft positionieren?” Gemeinsam mit Rüdiger Fritsch (Präsident SV Darmstadt 98), Ilja Kaenzig (Kaufmännischer Vorstand VfL Bochum) und Karsten Petry (Managing Director, Octagon Germany). Mehr zum Kongress.

Lesen Sie morgen bei SPONSORs einen Gastbeitrag von Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln, der eine entgegengesetzte Meinung als Olaf Schröder zum Thema Montagsspiele in der 2. Bundesliga vertritt.

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