Premier League - umsatzstärkste Liga Europas

Europas Top-Ligen: Wo Deutschland vorne liegt

Im europäischen Fußball wurde ein neuer Rekordumsatz erzielt. Die Premier League verdiente dabei allein mit ihren Medienrechten mehr als jede andere europäische Liga insgesamt. Die Bundesliga überholte die spanische La Liga und belegt den zweiten Rang.

Die „Big Five“-Ligen in Europa, bestehend aus der spanischen La Liga, der deutschen Bundesliga, der englischen Premier League, der französischen Ligue 1 und der italienischen Serie A, sind im gesamten europäischen Fußballmarkt weiter für mehr als die Hälfte der erzielten Erlöse verantwortlich. Die übrigen Ligen holen zumindest leicht auf, wie aus einer Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte hervorgeht. Auch wenn die Umsätze der fünf Top-Ligen Europas erneut um 900 Millionen Euro (plus sechs Prozent) auf 15,6 Milliarden Euro stiegen, sank ihr Anteil an den Gesamtumsätzen des europäischen Fußballmarkts um drei Prozentpunkte auf 55 Prozent. Dies ist insbesondere auf die hohen Erlöse zurückzuführen, die durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland erzielt wurden und die ebenfalls in die Analyse mit einflossen. Die Erlöse von FIFA, UEFA und den nationalen Verbänden erhöhten sich von 2,4 Milliarden Euro in der Saison 2016/17 um 75 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro in der Spielzeit 2017/18. Im Vergleich zur Saison 2016/17 wurden kumuliert in allen europäischen Ligen und Verbänden 3,1 Milliarden Euro mehr umgesetzt (plus elf Prozent).

Europäischer Fußballmarkt nach Erlösen

Die Premier League bleibt mit weitem Abstand die wirtschaftlich führende Liga in Europa. Insgesamt 5,4 Milliarden Euro setzte die englische Liga 2017/18 um. Auf Rang zwei landete die deutsche Bundesliga mit 3,2 Milliarden Euro, knapp vor der spanischen La Liga (3,1 Milliarden Euro). Die italienische Serie A (2,2 Milliarden Euro) und die französische Ligue 1 (1,7 Milliarden Euro) folgen mit noch größerem Abstand auf den Plätzen vier und fünf. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Bundesliga mit 13 Prozent das größte Umsatzwachstum der fünf Ligen erzielen. Bemerkenswert ist, dass allein die Erlöse aus den Medienrechten der Premier League höher sind als die Gesamtumsätze jeder anderen europäischen Liga.

Die Erlöse aus der medialen Vermarktung machen für alle „Big Five“-Ligen weiterhin den größten Anteil am Gesamtumsatz aus. Laut Deloitte machen in England (59 Prozent), Italien (58 Prozent) und Spanien (52 Prozent) die Medienerlöse sogar jeweils mehr als die Hälfte der Gesamtumsätze aus. In Deutschland ist der Anteil mit 39 Prozent im Vergleich noch am geringsten, auch wenn die Medienerlöse hierzulande im Vergleich zum Vorjahr um 288 Millionen Euro (fünf Prozent) gestiegen sind. "Im Vergleich mit den anderen „Big Five"-Ligen wirtschaftet die Bundesliga tendenziell eher konservativ und erzielt ein stärkeres Gleichgewicht zwischen den einzelnen Erlösquellen. Hierdurch spielt sie finanziell im internationalen Vergleich weiterhin vorne mit, auch wenn die englische Liga in wirtschaftlicher Hinsicht das Maß aller Dinge bleiben wird", kommentiert Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte, die Zahlen.

Aufteilung der Gesamtumsätze

Bundesliga mit höchstem Umsatzwachstum

Auch wenn die Premier League die mit Abstand umsatzstärkste Fußballliga der Welt bleibt, betrug die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr lediglich drei Prozent (139 Millionen Euro). Dabei wurde die größte Steigerung mit 115 Millionen Euro (acht Prozent) im Sponsoring erzielt.  Die Bundesliga konnte indes ihren Gesamtumsatz im Vergleich zur Saison 2016/17 um 13 Prozent (375 Millionen Euro) erhöhen. Dieser Sprung wurde insbesondere durch die Steigerung der Medienerlöse um 288 Millionen Euro erreicht.

Zur Einordnung der Zahlen muss bedacht werden, dass in der Bundesliga lediglich 18 Clubs vertreten sind, während in den übrigen vier Ligen jeweils 20 Teams antreten. Dadurch relativieren sich die absoluten Zahlen in den Bereichen Sponsoring, Spieltag und Medien. Ein Beispiel: Spaniens La Liga setzte durch Sponsoring insgesamt 954 Millionen Euro um, die Bundesliga im selben Zeitraum lediglich 872 Millionen Euro. Heruntergerechnet bedeutet dies, dass ein spanischer Erstligist durchschnittlich 47,7 Millionen über Sponsoring erzielt, ein Bundesligist hingegen 48,4 Millionen Euro. 

Wachstum künftig durch Internationalisierung?

Die betrachtete Saison 2017/18 liegt gefühlt bereits länger zurück. Wirft man den Blick auf die jüngste Entwicklung, stehen die Fernsehverträge im Fokus. Das Wachstum der europäischen Ligen wurde in den vergangenen Jahren stets durch lukrative nationale TV-Verträge getrieben. In England begann mit der laufenden Saison 2019/20 nun ein neuer TV-Rechtezyklus. Dabei wird laut Deloitte über die internationale Vermarktung eine Steigerung um 30 Prozent erzielt, während die Erlöse aus der nationalen Vermarktung sogar um rund zehn Prozent zurückgehen. Unter dem Strich prognostiziert Deloitte ein Wachstum von rund sechs Prozent.

Der aktuelle Medienrechtevertrag der Bundesliga läuft noch bis zum Ende der Spielzeit 2020/21. Mit Spannung wird die Vergabe für den neuen Zyklus im kommenden Frühjahr erwartet. Darüber hinaus geht der Blick der Bundesliga verstärkt ins Ausland. Der neue Vertrag der DFL mit ESPN für den lukrativen US-Markt ist hier nur ein Beispiel.

Umsatzentwicklung

Personalaufwand der „Big-Five“ steigt überproportional

Einen erheblichen Kostenfaktor für Fußballclubs, insbesondere auf der obersten Ebene, stellt der Personalaufwand dar. Insgesamt wendeten die fünf „Big Five“-Ligen 2017/18 mehr als neun Milliarden Euro für ihr Personal auf. So viel wie nie zuvor. Während der Gesamtumsatz der fünf Ligen um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, erhöhten sich die Aufwendungen für Personal um 13 Prozent. Das Verhältnis von Personalaufwand zu Umsatz der „Big Five“ betrug somit in der Saison 2017/18 im Schnitt 62 Prozent. Dabei lag die Quote in Frankreich mit 75 Prozent deutlich am höchsten.

Lewandowski trifft für den FC Bayern
Bildunterschrift
Teure Kicker: Clubs zahlen soviel wie nie zuvor für ihr Personal, imago images / Sven Simon

2. Bundesliga profitabler als Championship

Aus deutscher Sicht offenbart die Deloitte-Studie mit dem Vergleich der 2. Bundesliga mit der zweitklassigen englischen Championship einen weiteren interessanten Aspekt. Die Championship erreichte in der Saison 2017/18 mit 846 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord, während die 2. Bundesliga einen leichten Umsatzrückgang auf 535 Millionen Euro verzeichnen musste. Der Rekord aus dem Vorjahr mit 568 Millionen Euro bleibt somit bestehen. Jedoch ist die 2. Bundesliga weiterhin deutlich profitabler als das englische Pendant.

2. Bundesliga

Insgesamt erzielten die 18 Clubs der zweiten deutschen Fußballliga einen operativen Gewinn in Höhe von 16 Millionen Euro, also ein Plus von rund 900 000 Euro je Verein. Die 24 Clubs der Championship wiesen dagegen in der Saison 2017/18 einen operativen Verlust von 408 Millionen Euro aus, also etwa 17 Millionen Euro Verlust für jeden Verein. Dabei ist insbesondere der Personalaufwand in Englands Fußball-Unterhaus für die hohen Verluste verantwortlich. Mit 897 Millionen Euro waren 2017/18 bereits die Personalkosten höher als der Gesamtumsatz der Championship. Im Durchschnitt gaben die Clubs aus der Championship mit 37 Millionen Euro mehr als doppelt so viel Geld für Personal aus wie die der 2. Bundesliga, die 15 Millionen Euro investierten. 

Die gesamte Studie von Deloitte finden Sie hier zum Download.

Titelfoto: imago images / Sportimage

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