CL-Pokal

Umsätze in der Champions League: Klassentreffen der Reichen

Das Achtelfinale der UEFA Champions League ist längst zum Klassentreffen der reichsten Fußballclubs Europas geworden. Von den 16 Clubs setzten zwölf zuletzt mindestens 300 Millionen Euro um, acht sogar mehr als 500 Millionen Euro. Und nur zwei Clubs mit Erlösen von weniger als 200 Millionen Euro überstanden die Gruppenphase. Eine Analyse des Zusammenspiels zwischen Wirtschaftskraft und Erfolg in der „Königsklasse“.

Anfang März beginnen für die europäischen Top-Fußballclubs die Wochen der Wahrheit: In der heimischen Liga hat das letzte Drittel der Saison angefangen, im nationalen Pokal geht es in die Vollen und in der ­UEFA Champions League warten in den Achtelfinal-Rückspielen die ersten echten Gradmesser. Gerade in der „Königsklasse“ kommt es zu mehreren Duellen zwischen europäischen Schwergewichten, wie beim Vergleich zwischen dem FC Liverpool und dem FC Bayern München sowie zwischen Paris St.-Germain und Manchester United.

Auffällig bei der Zusammensetzung des Champions-League-Achtelfinals: In den vergangenen Jahren waren fast immer die gleichen Clubs unter den letzten 16: Neben den vier genannten Vereinen waren es stets die spanischen Top-Clubs FC Barcelona, Real und Atlético Madrid, der italienische Serien-Meister Juventus Turin sowie mindestens drei der englischen Top-Clubs aus Manchester, London und Liverpool.

Meist wird das Achtelfinal-Feld ergänzt um eine Handvoll Clubs, die zwar regelmäßig in der Champions-League-Gruppenphase vertreten sind, bei denen ein Einzug ins Achtelfinale im Vorfeld einer Saison aber nicht unbedingt immer planbar und vor allem von der Zusammensetzung der Gruppe und der eigenen Form abhängig ist. Hier sind in dieser Saison der FC Schalke 04, der portugiesische Traditionsclub Benfica Lissabon oder auch die AS Rom aus der italienischen Serie A zu nennen. Und natürlich gibt es auch immer einen oder zwei Überraschungsteams – in dieser Saison ist das der niederländische Traditionsclub Ajax Amsterdam, der sich erstmals seit der Saison 2005/06 wieder für das Achtelfinale der europäischen Fußball-„Königsklasse“ qualifizieren konnte. 

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass sich das Achtelfinale der UEFA Champions League zu einer Art Klassentreffen der reichsten und größten europäischen Fußballclubs entwickelt hat. Ein elitärer Kreis, zu dem immer wieder singulär kleinere Clubs hinzustoßen. 

Dabei kommt die Zusammensetzung nicht von ungefähr – wie eine SPONSORs-Analyse zeigt, bei der die die 32 Champions-League-Teilnehmer der aktuellen Saison hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft miteinander verglichen wurden (siehe Grafik unten). Als Parameter wurden jeweils die aktuellsten Umsatzzahlen herangezogen, im vorliegenden Fall also die Erlöse des ­Geschäftsjahres 2017/18. 

CL-Teams
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Die Tabelle zeigt alle für die Gruppenphase der UEFA Champions League 2018/19 qualifizierten Clubs, gerankt nach ihren Umsätzen im Geschäftsjahr 2017/18 (bei einigen Clubs läuft das Geschäftsjahr vom 1. 1. bis zum 31. 12.). Dargestellt sind außerdem alle europäischen Titel seit der Saison 2008/09. Die nach der Gruppenphase ausgeschiedenen Clubs sind durchgestrichen. Die rot gestrichelten Linien zeigen exemplarisch die Umsatzunterschiede ausgewählter Clubs;
1 bei diesen Clubs wurden die Umsätze des Geschäftsjahres 2017/18 (noch) nicht kommuniziert. Hier wurden die Umsätze der Saison 2016/17 herangezogen oder die Werte geschätzt; Umrechnungskurs (30. 6. 2018)

Ein Ergebnis der Champions-League-Umsatzanalyse: Von den 32 Teams, die in der Gruppenphase gestartet sind, qualifizierten sich die 13 umsatzstärksten Teams (Geschäftsjahr 2017/18) auch für das Achtelfinale. Das heißt: 81 Prozent der Achtelfinalplätze werden von den wirtschaftsstärksten Clubs belegt. Von den 16 umsatzstärksten Clubs mussten lediglich die beiden italienischen Serie-A-Clubs Inter Mailand und SSC Neapel bereits nach der Gruppenphase die Segel streichen. 

Der durchschnittliche Umsatz (2017/18) der diesjährigen Achtelfinalteilnehmer lag dabei bei knapp 350 Millionen Euro. Von den 16 Achtelfinalteilnehmern erzielte die Hälfte, also acht Clubs, einen Umsatz von über 500 Millionen Euro. Drei Viertel (12 von 16) erlösten immerhin noch mehr als 300 Millionen Euro. Das heißt auch: Konnte ein Club mehr als 300 Millionen Euro erlösen, lag die Wahrscheinlichkeit eines Achtelfinaleinzugs im Folgejahr bei 75 Prozent. Oder umgekehrt: Nur drei von 17 Clubs (Inter Mailand, der SSC Neapel, Benfica Lissabon) mit Umsätzen von über 200 Millionen Euro schieden nach der Gruppenphase aus, das sind lediglich rund 17 Prozent. 

Einzige wirtschaftliche Ausreißer im Achtelfinale der aktuellen Champions-League-Spielzeit waren der niederländische Meister Ajax Amsterdam (Umsatz 2017/18: 92 Millionen Euro) und der FC Porto (105,8 Millionen Euro). Die beiden Clubs sind die einzigen Achtelfinalteilnehmer mit einem Umsatz von weniger als 200 Millionen Euro. Umgekehrt zeigt sich auch, dass 13 von 16 nach der Gruppenphase ausgeschiedenen Clubs weniger als 200 Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten. Damit lag die Wahrscheinlichkeit einer Achtelfinal-­Qualifikation bei Clubs mit einem Umsatz von weniger als 200 Millionen Euro gerade einmal bei gut 13 Prozent. 

Bundesliga
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DFL mit neuem Umsatzrekord, Bundesliga-Gewinn weiter rückläufig

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat im Geschäftsjahr 2017/18 zum 14. Mal infolge einen neuen Bestwert beim Umsatz erzielt. Die 36 Erst- und Zweitligisten erzielten zusammen insgesamt 4,42 Milliarden Euro. Der Gewinn und die Umsatzrendite der Bundesliga gingen aber weiter zurück.

Geld gewinnt Titel

Dass es einen Zusammenhang zwischen sportlichem Erfolg und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gibt, zeigt sich auch bei den Titelträgern der vergangenen zehn Champions-League-Spielzeiten. Davon verfügen acht Clubs, also 80 Prozent, mittlerweile über einen Umsatz von mindestens 600 Millionen Euro. 

Im Schnitt kommen die vergangenen zehn Champions-League-Sieger heutzutage auf einen Umsatz von rund 719 Millionen Euro, wobei die Erlöswerte von Real Madrid und vom FC Barcelona analog zu den gewonnenen Titeln mehrfach gezählt wurden. Einzige Ausnahme ist Inter Mailand. Die Italiener, die im Finale 2010 den FC Bayern München schlugen, kamen in der abgelaufenen Saison lediglich auf einen Umsatz von rund 288 Millionen Euro, schieden in der laufenden Saison allerdings hinter dem FC Barcelona und Tottenham Hotspur als Dritter der Gruppe B aus der Champions League aus. Außerdem spielte mit dem FC Chelsea einer der Champions-League-Sieger der vergangenen zehn Jahre in dieser Saison nur in der UEFA Europa League. Der Londoner Stadtteilclub setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr umgerechnet 499,3 Millionen Euro um und erzielte damit für sich einen neuen Bestwert. 

Nicht nur für den Titelgewinn in der „Königsklasse“ brauchte es in den vergangenen zehn Spielzeiten eine enorme Wirtschaftskraft. Schon für den Einzug ins Endspiel war eine solche Stärke vonnöten. Außer dem spanischen Hauptstadtclub Atlético Madrid (Umsatz 2017/18: 333,25 Millionen Euro), der sowohl 2014 als auch 2016 gegen den Stadtrivalen Real im Endspiel stand, kommen alle anderen Finalteilnehmer der vergangenen zehn Jahre auf mittlerweile mindestens 500 Millionen Euro Umsatz.

Spieler
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Groß gegen klein: Real Madrid setzte in der Saison 2017/18 mehr als 750 Millionen Euro um, Ajax Amsterdam gerade einmal 92 Millionen Euro

Ungleiche Duelle

Wie ungleich die finanziellen Rahmen­bedingungen in der Champions League sind, zeigen exemplarisch auch verschiedene Duelle in dieser und der vergangenen Spielzeit: 

•   Bei der diesjährigen Achtelfinalbegegnung zwischen Manchester City und dem FC Schalke 04 traf beispielsweise ein Umsatz von 240 Millionen Euro (FC Schalke 04) auf einen von 565 Millionen Euro. Dabei liegt der Umsatz des FC Schalke 04 sogar über dem Schnitt aller Champions-League-Teilnehmer der diesjährigen Saison (gut 230 Millionen Euro). 

•   Noch deutlicher sind die Unterschiede in der Achtelfinalpartie Real Madrid gegen Ajax Amsterdam, die der Titelverteidiger aus der spanischen Hauptstadt im Hinspiel mit 2:1 nur knapp für sich entscheiden konnte. Mit 750,9 Millionen Euro verfügen die „Königlichen“ über den achtfachen Umsatz ihres niederländischen Gegners. 

•   Noch größer sind die wirtschaftlichen Unterschiede häufig in der Gruppenphase. Bei der Partie PSV Eindhoven gegen den FC Barcelona beispielsweise lag der Umsatzunterschied bei mehr als 850 Millionen Euro. Der Umsatz der Katalanen (2017/18: 914 Millionen Euro) war damit 15-mal so hoch wie der ihres Kontrahenten aus den Niederlanden (gut 62 Millionen Euro). 

•   Und selbst beim Finale der vergangenen Champions-League-Saison waren die wirtschaftlichen Unterschiede gewaltig: Real Madrid (750,9 Millionen Euro) erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017/18 gut 230 Millionen Euro mehr als der FC Liverpool (520 Millionen Euro), also mehr als die Hälfte deren Gesamterlöse. 

Spieler
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Die Effizienztabelle der Bundesliga

Der FC Bayern München holte sechs Mal in Folge die deutsche Meisterschaft, hatte dafür aber auch mit Abstand am meisten Geld zur Verfügung. Andere Clubs wie der FC Augsburg oder der SC Freiburg halten sich mit „Mini-Etats“ seit Jahren in der Bundesliga. Welche Leistung ist höher zu bewerten? SPONSORs hat auf der Basis von TV-Erlösen und Prämien sowie Personalkosten eine eigene Effizienztabelle entworfen.

Unter den Möglichkeiten

Unterm Strich zeigt die Analyse, dass die wirtschaftlichen Unterschiede in der Champions League mittlerweile groß sind. Es wird aber auch ersichtlich, wie zementiert die sportlichen Positionen der großen Clubs in Europa sind. Und wie schwierig es für kleinere Clubs mit Umsätzen von unter 200 Millionen Euro ist, überhaupt nur das Achtelfinale zu erreichen. 

Dass Geld nicht immer automatisch auch zu Titeln führt, dafür gibt es umgekehrt ebenfalls Beispiele. In der Champions League schnitten zum Beispiel die Clubs Manchester City (565 Millionen Euro Umsatz; Rang fünf) und Paris St.-Germain (497,46 Millionen Euro; Rang neun) bislang sportlich unter ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten ab. Während es ManCity erst einmal ins Halbfinale schaffte, war für den französischen Meister in der Champions League bislang stets spätestens im Viertelfinale Schluss. Bei beiden Clubs dürfte ein Titelgewinn in der Champions League allerdings nur noch eine Frage der Zeit sein.

Kane jubelt
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Bundesliga vs. Premier League: Geld schießt (manchmal) Tore

Die finanzielle Schere in der Bundesliga klafft weit auseinander – auch im Vergleich zur Premier League? SPONSORs zeigt das Verhältnis zwischen Wirtschaftskraft und sportlichem Erfolg.

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