Motrip eFootball

Die eSport-Pläne des DFB

Vergangene Woche fand das eFootball-Charity-Turnier des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) statt. Im Vorfeld des Events hat SPONSORs mit Frank Biendara, Geschäftsführer DFB GmbH, über die eSport-Strategie des DFB gesprochen.

SPONSORs: Herr Biendara, der DFB ist mit dem Thema eSport ja nicht unbedingt First-Mover. Wann gab es Überlegungen von Seiten des Verbandes, eFootball-Formate zu kreieren?

Biendara: Wir sind schon seit anderthalb Jahren mit der Integration des eFootball in das Ökosystem des DFB beschäftigt. Für uns ist aber ganz wichtig, dass wir nicht über eSport sprechen. Wir als DFB GmbH treiben dieses Projekt in ganz enger Abstimmung mit dem DFB e.V. voran. Dabei stand von Anfang an fest, dass wir uns nur mit fußballbezogenen Spielen beschäftigen wollen.

SPONSORs: Warum ist das so wichtig?

Biendara: Wir haben uns nie darüber unterhalten, ob wir uns auch Spielen wie League of Legends oder Counter-Strike annähern. Der Weg, den etwa Schalke 04 mit einem „League of Legends“-Team geht, ist für den DFB nicht sinnvoll. Deswegen nennen wir es eFootball und schließen andere Spielformen für uns aus. Der eFootball soll dabei einen Mehrwert für den Kern des DFB bedeuten, nämlich für den Sport auf dem grünen Rasen.

SPONSORs: Aber Sie sind sich schon bewusst, dass sie sich im Kontext des eSports bewegen?

Biendara: Natürlich, aber wir wollen eben  im Bereich der Sportsimulationen unseren klaren Fokus auf das Thema Fußball legen. Es ist in der Kommunikation viel einfacher den Begriff eFootball zu verwenden, um eine klare Trennung hinzubekommen.

SPONSORs: Der offizielle Startschuss erfolgte beim DFB im vergangenen Jahr durch die Ankündigung des DFB-ePokals. Was ist die Idee dahinter?

Biendara: Eigentlich waren es drei große Themen, die zu Beginn bei uns entstanden sind: Der DFB-ePokal, die eNationalmannschaft und die eFootball-Plattform. Der DFB-ePokal ist auch inhaltlich ein zentrales Heimatgebiet des DFB. Hier sollen Spieler unter dem Banner ihres Amateurvereins antreten und die Möglichkeit erhalten, gegen die Profis aus der virtuellen Bundesliga zu spielen. Das bekannte „Klein“ gegen „Groß“, was wir auch aus dem DFB-Pokal kennen. Die Marke „DFB-Pokal“ ist in Deutschland natürlich auch schon groß, weswegen wir hoffen hiermit ein großes Publikum anzusprechen.

SPONSORs: Also ist der DFB-ePokal insbesondere für den Amateurfußball gedacht?

Biendara: Ganz genau, wir wollen mit dem ePokal die vorhandenen Synergien zwischen dem realen und virtuellen Fußball nutzen. Wir hoffen, dass sich Teams aus aktiven Fußballern und eFootballern zusammentun, um sich optimal auf ihr ePokal-Match vorzubereiten. Das kann und soll vielleicht sogar im Vereinsheim stattfinden und bestenfalls findet das Training für den virtuellen Wettbewerb, dann auch vor oder nach dem Kicken auf dem Rasen statt.

SPONSORs: Und ihre eFootball-Plattform wurde ebenfalls seit Anfang an entwickelt?

Biendara: Ja, wir wollten damit eine Plattform schaffen, um den DFB-ePokal zu beheimaten. Das Thema eFootball ist sehr stark Community-getrieben. Unsere Plattform ist nach den Bedürfnissen von eFootball-Spieler ausgerichtet. Der DFB will als Organisator auftreten und Strukturen für den eFootball etablieren. Auf dfb-efootball.de sollen unsere Landesverbände darüber hinaus die Möglichkeit bekommen, eigene Turniere zu veranstalten. Die Verbände zeigen bislang sehr viel Eigeninitiative und haben schon eigene Projekte entwickelt. Auf der anderen Seite freuen sich aber auch viele Verbände, dass der DFB mit dieser Plattform Strukturen schafft, die alle nutzen können.

Biendara
Bildunterschrift
Fotos: DFB

SPONSORs: Seit vergangenem Jahr hat der DFB auch eine eNationalmanschaft. Wie ist es dazu gekommen?

Biendara: Wir haben uns sehr früh entschlossen, dass wir an den eFootball-Turnieren der FIFA teilnehmen möchten und haben dementsprechend die eNationalmannschaft gegründet. 2019 waren wir erstmals beim eNations-Cup mit dabei. Alles, was im digitalen Umfeld geschieht, hat eine unglaubliche Geschwindigkeit. Das merken wir natürlich auch bei unseren eFootball-Projekten.

SPONSORs: Nun gilt der eSport in gewisser Hinsicht als ein Gewinner der Corona-Pandemie. Hat sich durch die aktuelle Lage auch beim DFB der eFootball-Zeitplan verschoben?

Biendara: Der Launch unserer Plattform war ohnehin für diese Zeit geplant. Die entsprechenden Vorbereitungen liefen seit einigen Monaten. Jedoch war eigentlich für den aktuellen Zeitraum die erste Ausrichtung des neuen DFB-ePokals geplant. Hierfür hatten wir ein großes Final-Event für den Mai geplant. Da der DFB-ePokal auch Teil der Global Series sein wird und diese durch EA Sports aufgrund COVID-19 für die laufende Spielzeit FIFA 20 beendet wurde, starten wir nun erst zur Saison 2020/21. Stattdessen haben wir Elemente wie etwa „eFriendlies“ ins Leben gerufen, bei denen zuletzt auch Nationalspieler wie Bernd Leno oder U-Nationalspielerinnen und -Nationalspieler mit angetreten sind. Solche Spiele sorgen natürlich für viel Aufmerksamkeit.

SPONSORs: Welche Elemente sind noch Teil des Konzeptes?

Biendara: Wir veranstalten auch sogenannte Bootcamps, in denen mit unseren eFootball-Botschaftern gemeinsam trainiert wird. Außerdem gibt es die Heimspiel-Serie unter dem Motto #WePlayAtHome. Das sind wöchentlich stattfindende Qualifikationsturniere für unser großes Charity-Event, an denen alle FIFA-Spielerinnen und -Spieler teilnehmen können. Hier steht für alle Beteiligten absolut der Spaß im Vordergrund.

SPONSORs: Und sie verfolgen einen guten Zweck?

Biendara: Absolut. Mit dem Event möchten wir insbesondere in der aktuellen Lage auch Verantwortung übernehmen. Da hoffen wir natürlich, gemeinsam mit unserem Partner 7Sports eine große Aufmerksamkeit und Reichweite zu erzielen und möglichst viel Geld für die Initiative Kinderträume der Egidius-Braun-Stiftung zu sammeln. All unsere Maßnahmen der vergangenen Wochen zahlen auf das Charity-Event ein. Vier Gewinner der Heimspiel-Serie konnten sich qualifizieren. Dazu gab es drei weitere Teilnehmer-Gruppen: Bekannte deutsche Musiker, Entertainment-Gesichter und Influencer. Hinzu kommen vier Frauen aus der FIFA-Community als Teilnehmerinnen sowie Spieler aus der A-Nationalmannschaft und der U21 und natürlich unsere eNationalspieler. Der Sport auf dem grünen Rasen bleibt für den DFB am wichtigsten. Aber insbesondere in dieser Zeit, in der Fußball spielen nicht möglich ist, wollen wir nun den eFootball nach vorne bringen.

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SPONSORs: Am Donnerstag findet das Charity-Event statt. Wie geht es danach weiter?

Biendara: Wenn sich die Lage grundsätzlich normalisiert, wollen wir Im Spätsommer oder Herbst 2020 mit dem ePokal starten. Das hat dann natürlich direkt ganz andere Dimensionen als das aktuell stattfindende Turnier. Der Modus ist an den „echten“ DFB-Pokal angelehnt. In der 1. Runde des DFB-ePokals werden zunächst Spieler aus dem Amateurbereich unter dem Banner ihres Amateurclubs aufeinandertreffen und regionale Sieger ausspielen. Nach der ersten Runde treffen diese Spieler dann auf die Profis aus der virtuellen Bundesliga. Am Ende soll es dann analog zum DFB-Pokal ein großes Finale geben. Natürlich hoffen wir auch hier auf viele „David gegen Goliath“-Momente.

SPONSORs: Glauben Sie das Thema stößt weiter auf wachsendes Interesse, auch wenn bald wieder „echter“ Fußball läuft?

Biendara: Ich bin fest davon überzeugt, dass eFootball zukünftig immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Natürlich hat die Corona-Pandemie dem Ganzen einen gewissen Schub gegeben. Unsere Hoffnung ist aber auch, dass wir langfristig viele Menschen mit eFootball begeistern können. Und wir als DFB wollen auch zukünftig ein wichtiger Teil der Entwicklung sein.

SPONSORs: Herr Biendara, vielen Dank für das Gespräch.

Titelfoto: Thomas Böcker/DFB

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