Aufmacher

Jubiläumsbeiträge von Christian Seifert, Ralf Reichert, Jochen Sengpiehl und Harti Weirather

Weitere Gastbeiträge langjähriger Wegbegleiter von SPONSORs führen die „Festwochen“ zu unserem 25. Firmenjubiläum fort. Die Texte von Christian Seifert, Ralf Reichert, Jochen Sengpiehl und Harti Weirather zeigen nicht nur einen Querschnitt der Branche, sondern geben vor allem persönliche Eindrücke und Anekdoten aus einem Vierteljahrhundert Sportbusiness wieder.

Seifert

Echte Ambitionen und Visionen

Das Jahr 1996 und der Fußball – diese Kombination wird bis heute vor allem mit dem Golden Goal von Oliver Bierhoff assoziiert. Selbst hatte ich zu dieser Zeit noch keine beruflichen Berührungspunkte mit dem Profisport, war in meinem zweiten Jahr bei der MGM Media Gruppe als Leiter Produktmanagement tätig, verantwortete dort ein noch recht kleines Team. Ein thematischer Schwerpunkt war seinerzeit eine umfassende Analyse über die Media-Werbestrategie für den Einzelhandel. Für eine Vorstandspräsentation formulierte ich damals die Headline: „Vom Media-Mix zum Bildschirm-Mix“. Es waren erste Vorzeichen auf unseren heutigen Alltag – Smartphones spielten darin allerdings noch keine Rolle, das erste iPhone sollte erst elf Jahre später auf den Markt kommen. Längst nicht die einzige bahnbrechende Entwicklung, die 1996 kaum zu erahnen war. Seitdem haben wir zweieinhalb Jahrzehnte voller technologischer Innovationen und globaler Vernetzung erlebt.

1996 hingegen war die DFL noch gar nicht gegründet. Und die WM 2006, die hierzulande ein enormer Treiber der Weiterentwicklung und Professionalisierung des Profifußballs war, noch nicht nach Deutschland vergeben. SPONSORs war demnach der Zeit ein Stück voraus mit dem Schritt, ein deutschsprachiges Sportbusiness-Magazin ins Leben zu rufen. Das war echte Ambition und Vision zugleich.

Diesen Anspruch habe ich seit meinem Start in der DFL-Geschäftsführung für unsere gesamte Unternehmensgruppe verfolgt: mindestens gedanklich und konzeptionell der Zeit möglichst einen Schritt voraus zu sein. Ob bei der Gestaltung unserer Medienrechte-Ausschreibungen – den Blick immer auf das Nutzungsverhalten  der Zukunft gerichtet. Oder beispielsweise bei der Gründung der eigenen TV-Produktionseinheit Sportcast. Der Entwicklung des größten digitalen Fußballarchivs der Welt. Dem Launch der Virtual Bundesliga. Der Gründung weiterer Tochterfirmen wie der DFL Digital Sports als Content-Kompetenzzentrum und der Sportec Solutions spezialisiert auf Spieldaten und Sporttechnologie. Der Entwicklung und Integration immer neuer Kameraperspektiven für besondere Blickwinkel. Der Einführung der Torlinientechnologie und des Video-Assistenten. Dem Impuls für die Sportsinnovation als internationaler Plattform für technologische Entwicklungen und dem Start des „DFL for Equity“-Programms. Und aktuell bei dem Ansatz, als erste Profiliga Nachhaltigkeitskriterien zum Gegenstand des Lizenzierungsverfahrens zu machen.

Wichtig war mir zu jeder Zeit, dass auch wegweisende Entwicklungen kein Grund für Stillstand sein dürfen. Denn das Prinzip von Ambition und Innovation gilt jeden Tag aufs Neue: Die Grundlagen einer erfolgreichen Zukunft können nur in der Gegenwart gelegt werden.

Ähnliches dürfte man sich bei SPONSORs im Jahr 1996 gedacht haben.

Reichert

Mission eSport

Ist eSport überhaupt ein Sport? Diese Frage fand ich passend, als ich darüber nachdachte, wie ich diesen Gastbeitrag beginne. Seit der Gründung der ESL im Jahr 2000 wurde mir diese Frage im Rahmen von Presse-Interviews an die tausend Mal gestellt. Spätestens seitdem weiß ich: Die Sportbusiness-Branche braucht Aufklärungsarbeit. Und das wurde dann gewollt oder ungewollt meine persönliche Mission und irgendwie auch Lebensaufgabe.

Dass der eSport zweifelsfrei ein Sport ist, hat sich eindrucksvoll bei der Austragung unseres ersten Stadion-Events im Jahr 2013 gezeigt. Im polnischen Kattowitz sorgten 20 000 Zuschauer an einem kalten Januar-Wochenende für eine Atmosphäre, die im klassischen Sport-Umfeld ihresgleichen sucht. Vor allem hat sich seither die öffentliche Meinung verändert: Die Frage, die Journalisten gebetsmühlenartig wiederholten, hat sich in Luft aufgelöst. Für uns als ESL war das sicherlich einer der wichtigsten Meilensteine in der Aufklärungsarbeit rund um den eSport. Dabei ging es uns nicht darum, dass der eSport gesetzlich als Sportart legitimiert wird, sondern vielmehr darum, dass unser Sport auf derselben Ebene und mit derselben Faszination funktioniert wie klassische Sportarten. PS: Zudem kann man sich im eSport nicht verletzen.

Heute noch bin ich über die Menschen verwundert, die den eSport nicht als Sportart begreifen oder gar akzeptieren. Aus diesem Grund wird der Prozess der Aufklärung auch nie beendet sein. Unsere Aufgabe wird auch immer darin bestehen, Generationen von Menschen aufzuklären. Das machen wir a), weil es unser Job ist, und b), weil wir nie einen Zweifel hatten, dass der eSport funktioniert, und am wichtigsten c), weil wir es unseren Kindern und der Jugend schulden.

Und was hat das nun mit SPONSORs zu tun? Die steile Entwicklung des eSport lässt sich nicht nur an den jährlichen Wachstumsraten ablesen, sondern vor allem auch an unserer Geschichte mit SPONSORs. 2004 waren wir das erste Mal beim SPOBIS zu Gast. Ich kann mich erinnern, dass wir von den Teilnehmern kritisch beäugt wurden. Wir waren neu, wir waren Exoten und irgendwie gehörten wir nicht so richtig „dazu“. Zugegebenermaßen war der eSport seinerzeit noch ein absolutes Nischenthema und die ESL stand noch in ihren Kinderschuhen.

Mittlerweile sind wir ein großer Partner und füllen regelmäßig die Säle beim SPOBIS im Düsseldorfer Kongresszentrum. Ich selbst durfte bei spannenden Diskussionen auf der Hauptbühne mitwirken und den eSport in die Welt tragen. Diese Auftritte auf Augenhöhe mit anderen großen Sportarten haben uns in der nationalen B2B-Wahrnehmung sehr geholfen und daher ist der SPOBIS ein wichtiger Baustein auf unserer Reise der letzten 20 Jahre und hoffentlich auch für die nächsten 20.

Sengphiel

Sponsoring als DNA

Fußball-Sponsoring haben wir bei Volkswagen schon betrieben, lange bevor es das Wort überhaupt gab. Schließlich stehen wir seit 1945, und damit seit Vereinsgründung, an der Seite des VfL Wolfsburg. Wir können daher getrost behaupten, dass Fußball Teil unserer DNA ist. In den vergangenen Jahren haben wir unsere weltweiten Aktivitäten im Fußball bekanntermaßen noch einmal deutlich ausgebaut und – inhaltlich wie strategisch – auf ein ganz neues Level gehoben. Rückblickend lässt sich sagen, dass mit der Transformation unseres Unternehmens hin zu „New Volkswagen“ auch eine Transformation unseres Fußball-Sponsorings einherging. Der Fußball ist dabei für uns längst mehr als eine reine Marketingplattform; wir betrachten ihn als ganzheitliche Kommunikationsplattform.

Vorläufiger Höhepunkt war jüngst die Europameisterschaft, bei der wir mit unserer Marke, unseren Produkten aber auch mit unserer Haltung – Stichwort #wedrivediversity – auf allen Kanälen sichtbar und erlebbar waren: vor Ort in den Städten, im Fernsehen und nicht zuletzt im Digitalen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die digitale Aktivierung von Sponsoringrechten künftig immer weiter an Bedeutung gewinnen wird. Vereine und Verbände werden sich dieser Entwicklung nicht verschließen können und nicht darum herumkommen, ihren Partnern in diesem Bereich in den nächsten Jahren ganz andere Möglichkeiten einzuräumen, als dies zuweilen heute noch der Fall ist. Uns allen ist bewusst, dass die Zeiten, in denen sich Unternehmen allein damit zufriedengeben, ihr Logo auf ein Trikot oder eine Werbebande zu kleben, vorbei sind. Vielmehr wird es darum gehen, dass Sponsoren Zugänge geboten werden, um individuellen Content zu produzieren.

Die Herausforderung für Unternehmen wird es sein, diesen Content zielgerichtet aus-zuspielen. Bei Volkswagen profitieren wir dabei schon heute von unserem digitalen Fußball-Ökosystem, das wir in den vergangenen drei Jahren aufgebaut haben. Im Mittelpunkt dieses Ökosystems steht unser Fußball-Hub, der seine Heimat wiederum im Volkswagen OneHub hat. Dashboards geben uns in Echtzeit Aufschluss darüber, welche Contents beim User ankommen und an welchen Stellen wir unsere Mediastrategie gegebenenfalls anpassen müssen. Nur so waren wir während der EM in der Lage, große Reichweiten mit unseren Assets zu erzielen.

Ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu unserem EM-Erfolg war sicherlich die Gründung des Volkswagen Fußball Centers. Dort arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus dem Marketing, aus dem Vertrieb und aus der Kommunikation bereichsübergreifend zusammen. Ein Modell, das Vorbildcharakter hat. Zu welch guten Ergebnissen crossfunktionales Arbeiten führt, zeigt auch unser Agentur-Powerhouse. Agenturen aus ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten bei uns im Fußball Center Hand in Hand, stacheln sich gegenseitig mit Ideen an – und stellen so unsere konsistente 360-Grad-Aktivierung sicher.

Weirather

Vom Event zur Brand

Jubiläen erfüllen aus meiner Erfahrung immer zwei Zwecke: Sie schaffen die Möglichkeit, mit Stolz auf das Erreichte zurückzublicken, und gleichzeitig die Chance, eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. SPONSORs hat sich als wichtiger Branchenplayer in den vergangenen 25 Jahren mit immer neuen Services und Formaten etabliert und dazu gratuliere ich im Namen der WWP-Group recht herzlich.

Die WWP-Group blickt auf eine 34-jährige Unternehmensgeschichte zurück, die immer von einem Grundgedanken geprägt war: Wie kann man die Sportbranche im Sinne der Sportlerinnen und Sportler weiterentwickeln? Das gilt sowohl für den Motor- als auch für den Wintersport – unsere beiden Kernmärkte. Wir haben das Sponsoring im Skisport über das erste Helmsponsoring eingeführt, die lila Milka-Kuh an die Skipiste gebracht, mit den Sportsponsorings von Bwin zu dessen „From Zero to Hero“-Erfolgsgeschichte beigetragen und frühzeitig erkannt, dass Sportevents für die Athletinnen und Athleten und die gesamte Branche auf ein neues Level gehoben werden können.

Die Hahnenkamm-Rennen haben wir in den vergangenen 25 Jahren gemeinsam mit dem ÖSV und dem Kitzbüheler Skiclub zum B2B-Hotspot im Winter gemacht. Mit der einzigartigen Inszenierung der Streif – vom exklusiven Hospitality-Angebot über die Kitz-Charity-Trophy bis hin zu Hollywood-Stars vor Ort – haben wir gezeigt, wie man aus einem einfachen Sport-Event eine weltweite Top-Brand machen kann. Erst im vergangenen Corona-Jahr hat das WWP-Team um die CEOs der WWP-Group, Mirjam Hummel-Ortner und Philipp Radel, das digitale Starthaus auf der Streif „an den Start gebracht“ – mit den entsprechenden Vermarktungspotenzialen und Mehrwerten für die TV- und Streamingerlöse.

Seit Jahren baut die WWP-Group ihre Digital-Units aus, kreiert neue Formate mithilfe neuer Technologien und sucht Beteiligungen an Start-ups mit Entwicklungspotenzial. Der erfolg-reiche Verkauf unserer Gesellschaftsanteile der Influencer-Marketing-Agentur Reachbird in der jüngsten Vergangenheit zählt zu unseren guten unternehmerischen Entscheidungen in diesem Bereich. Innovation und Mut waren und sind die Treiber der WWP-Group.

Unternehmerisch bleibt die WWP-Group weiterhin bei ihrem Grundgedanken: mit Herz, Mut und Verstand nach vorn denken. Oder wie wir es als global agierendes Unternehmen formuliert haben: We love the game. We change the game.

Dem SPONSORs-Verlag wünschen wir für die nächsten Jahre viele weitere Erfolge und Meilensteine und bauen auf die weitere Zusammenarbeit.

Jubiläumsbeiträge
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Jubiläumsbeiträge von Carsten Schmidt, Lucas von Cranach, Mark Schober und Oliver Kaiser

Die „Festwochen“ zu unserem 25. Firmenjubiläum finden eine Fortsetzung. In den Gastbeiträgen langjähriger Wegbegleiter von SPONSORs findet sich nicht nur ein Querschnitt der Branche, sondern vor allem persönliche Eindrücke und Anekdoten aus einem Vierteljahrhundert Sportbusiness. Den Auftakt machen im ersten Teil der Serie Carsten Schmidt, Lucas von Cranach, Mark Schober und Oliver Kaiser.

SPOBIS