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Arminia-Geschäftsführer Rejek: „Krisenerprobtheit könnte ein Vorteil für uns sein“

Nach elf Jahren, in denen Arminia Bielefeld zwischenzeitlich sogar im Mittelfeld der 3. Liga angekommen war, sind die Ostwestfalen zurück in der Bundesliga. Im SPONSORs-Interview spricht Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek über die Folgen der Corona-Pandemie und erklärt, warum die größten Herausforderungen noch bevorstehen.

Durch die nationale Medienrechte-Vergabe der Deutschen Fußball Liga (DFL) bis 2024/25 herrscht für die 36 deutschen Proficlubs wenigstens in diesem Bereich Planungssicherheit für die kommenden fünf Jahre. Dabei wüssten die Clubs, dass sie „in den nächsten beiden Jahren ein paar Treppenstufen hinabsteigen müssen“, sagt Markus Rejek, Geschäftsführer von Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld. Dazu komme, dass „die TV-Gelder, die zentral von der DFL vermarktet werden in der kommenden Saison nicht mehr wie sonst üblich in vier Raten ausgezahlt werden, sondern nach den absolvierten Spielen“, so Rejek weiter: „Das stellt in der Liquiditätsplanung der Vereine eine große Herausforderung dar.“ Auch in anderen Bereichen wie Ticketing und Sponsoring sei durch die große Unsicherheit eine Flexibilität gefragt.

Eine enorme Herausforderung sieht der Arminia-Geschäftsführer auch durch „die Frage, wann in der kommenden Spielzeit wieder Zuschauer zugelassen werden können“. Im Gegensatz zur Bundesliga-Konkurrenz wird der Zweitliga-Meister seinen Umsatz in der Spielzeit 2020/21 im Vergleich zur Vorsaison dennoch steigern können. Einen Vorteil gegenüber den anderen Clubs sieht der ehemalige Sportfive-Manager dabei aber nicht: „Ich glaube, dass es für einen normalen Zweitligisten aktuell in diesem System keinen Vorteil geben kann, wenn man aufsteigt.“ Dafür sei „die Schere zwischen der Bundesliga und der 2. Bundesliga einfach zu weit auseinander“, erklärt Rejek.

18 Punkte mehr als kalkuliert

In einer Liga mit Schwergewichten wie dem Hamburger SV, dem VfB Stuttgart und Hannover 96 hat sich Arminia Bielefeld am Ende mit insgesamt zehn Punkten Vorsprung überraschend die Meisterschaft in der 2. Bundesliga gesichert. Und das mit einem Spielerkader, der im Zweitligavergleich nur durchschnittlich finanziert ist: In der Gehaltstabelle habe die Arminia in der vergangenen Saison „gerade einmal Platz acht oder neun belegt“, verrät Rejek: „Wir hatten ein Budget von etwa 12,5 Millionen Euro für den Sport.“ Lediglich im Bereich der Punktprämien habe sich sein Club deutlich verrechnet: „Wir sind mit 50 Punkten in die erste Lizensierung gegangen. Am Ende wurden es 68.“

Den Weg der Arminia beschreibt der Geschäftsführer als einmalig in der Bundesliga: „Im Jahr 2017/18 waren wir eigentlich wirtschaftlich mausetot.“ Durch einen Zusammenschluss von Unternehmen aus Ostwestfalen – dem sogenannten „Bündnis Ostwestfalen“ – sowie dank weiterer Unternehmen und Unternehmerköpfen aus der Region konnte die Arminia binnen eines Jahres insgesamt fast 30 Millionen Euro an Verbindlichkeiten abbauen. „Wir brauchten im ersten Moment vier Millionen Euro innerhalb von 14 Tagen, um überhaupt die Saison finanzieren zu können“, beschreibt Rejek das Ausmaß der damaligen Krise. Die Partner haben zum Teil Gesellschaftsanteile an der Arminia Bielefeld KGaA erworben oder den Zufluss zusätzlicher Sponsoring-Mittel erwirkt. Demnächst werde noch ein weiterer Bündnispartner hinzukommen. Dieser soll „den Club vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Digitalisierung voranbringen“, nennt Rejek die Ziele der Zusammenarbeit.

Außenseiter mit Ambitionen

Der Geschäftsführer der Arminia macht indes keinen Hehl aus der Außenseiter-Rolle seines Clubs: „Wir sehen den Bundesliga-Aufstieg erst einmal als eine Bundesliga-Tour 2020/21.“ Nichtsdestotrotz gehe die Arminia mit der „maximalen Ambition“ an diese Sache heran. Dabei betont Rejek, dass gar nicht einmal das nächste Jahr entscheidend sei, sondern „die mittel- bis langfristige Entwicklung des Vereins“ im Mittelpunkt stehe.

Die Corona-bedingten Verluste in der Saison 2019/20 beziffert Rejek auf über vier Millionen Euro. In der kommenden Spielzeit rechnet der ehemalige Geschäftsführer von 1860 München durch die Folgen der Corona-Pandemie sogar mit Mindereinnahmen von insgesamt zwölf Millionen Euro. Für einige Club befürchtet Rejek, könnte es durch die Corona-bedingten Verluste in der kommenden Saison wirklich „eng“ werden. Vor der Corona-Pandemie habe sein Club für die Bundesliga mit einer konservativen Umsatzprognose von 60 bis 61 Millionen Euro geplant, nun rechne er mit ungefähr 48 Millionen Euro.

Optimismus für die Zukunft zieht Rejek auch aus der Krisenerprobtheit seines Vereins: „Das könnte wirklich ein Vorteil sein für Arminia Bielefeld.“ Es sei aber das Ziel, nicht nur einmal „Hallo“ zu sagen in der Bundesliga, macht der Geschäftsführer deutlich. Dabei glaubt er, dass „Arminia Bielefeld alle Male einem Vergleich mit einem Club wie dem 1. FSV Mainz 05 standhalten kann“, gibt sich der Rejek ambitioniert. Für sein Club soll die Bundesliga nicht ein Ein-Jahresausflug bleiben.

Foto: picture alliance/augenklick