Scharping

BDR-Präsident Scharping: „Sehr dankbar, dass der Bund seine Leistungen nicht kürzt“

Die Spitzensportverbände sind in der Corona-Krise auch von der finanziellen Unterstützung der Politik abhängig. Rudolf Scharping, Präsident des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und ehemaliger Spitzenpolitiker, spricht über die Situation in seinem Verband und fordert den Abbau bürokratischer Hürden.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) veranstaltet mit seinen rund 2500 Vereinen in einem „normalen“ Jahr circa 5000 Breitensportveranstaltungen. In diesem Jahr rechnet BDR-Präsident Rudolf Scharping aufgrund der Corona-Pandemie mit gravierenden Einschnitten: „Wir müssen davon ausgehen, dass mindestens die Hälfte ausfallen wird.“ Die damit einhergehenden Einnahme-Verluste für die Vereine, werde einige „an die Grenze ihrer Möglichkeiten führen“, befürchtet der ehemalige Bundesverteidigungsminister. Alleine auf Ebene des Spitzensportverbandes rechnet der BDR-Präsident mit einem finanziellen Schaden „deutlich über 100 000 Euro“.  

Der „ordentliche Haushalt“ des BDR belaufe sich auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr, gibt Scharping einen Einblick in das Budget des Verbandes. Die Einnahmen des BDR sind dabei auf drei Säulen verteilt. Ein Drittel komme dabei aus der eigenen Organisation, also vor allem aus Mitgliedsbeiträgen und Lizenzeinnahmen. Ein weiteres Drittel setze sich aus den Sponsoring-Einnahmen zusammen führt der BDR-Präsident aus. Die Unterstützungen des Bundes sowie Sportfördermittel würden im „ordentlichen Haushalt“ indes nur eine „untergeordnete Rolle“ spielen.

Der „außerordentliche Haushalt“, von dem unter anderem die Trainer sowie internationale Wettbewerbe finanziert würden, sei dagegen „sehr stark geprägt durch öffentliche Mittel“, so Scharping. Die Höhe dieses Haushaltes beziffert der Sport-Funktionär auf rund vier Millionen Euro.

Lob an die Politik

Ein Lob spricht der ehemalige Spitzenpolitiker dem Bund aus: „Wir sind sehr dankbar, dass die Corona-Pandemie nicht dazu führt, dass der Bund seine Leistungen kürzt.“ Durch die finanzielle Unterstützung von Seiten der Regierung sei die Situation im Spitzensportverband und in den Landesverbänden „noch nicht existenzbedrohend, aber sehr schwierig“. Der BDR vermelde seit Jahren wachsende Mitgliederzahlen. Das macht Scharping in dieser schwierigen Zeit Mut, dass seine Vereine die Krise gut überstehen: „Diese stabile Basis wird dabei helfen, mit den zum Teil schwerwiegenden Auswirkungen der gegenwärtigen Situation zurecht zu kommen.“

Als BDR-Präsident wünscht sich Scharping allerdings ein stärkeres Entgegenkommen der staatlichen Stellen in Sachen Genehmigungsgebühren, öffentlichen Auflagen und Sicherheitskonzepten. Diese würden teilweise wie eine bürokratische und finanzielle Last auf die Veranstalter und Vereine herunterregnen, beschreibt Scharping die derzeitigen Herausforderungen.

Neue digitale Formate

Viele Sportevents wurden aufgrund der Corona-Pandemie ins virtuelle verschoben. So auch die Rad-Bundesliga, die zuletzt nach insgesamt fünf Rennen auf der Online-Plattform „Zwift“ ihre Gesamtsieger kürte. BDR-Präsident Scharping sieht seinen Verband auch sonst im Bereich der Digitalisierung gut aufgestellt: „Wir führen Rennen, Rennserien, Trainings- und Sichtungsmaßnahmen sowie Nachwuchsförderungen mittlerweile auch schon im Netz durch.“

Foto: picture alliance/Pressefoto Baumann