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Bohmann: „Jeder Clubmanager ist derzeit ein Krisenmanager“

Am vergangenen Freitag war Frank Bohmann, Geschäftsführer der Liqui Moly Handball-Bundesliga (HBL), noch mit den Managern der einzelnen Clubs im Austausch. Kurz darauf verriet er SPONSORs im persönlichen Gespräch, wie die Liga plant und weshalb ihm die Solidarität der Clubs Mut macht.

„Bis zum 30. Juni geht es nur noch darum, die Liquidität aufrechtzuerhalten“, fasst Frank Bohmann die aktuelle Lage zusammen. Was nach einem klaren Ziel klingt, ist dieser Tage komplexer denn je. Die Ungewissheit mache die Planung für die HBL und alle beteiligten Clubs zu einer großen Herausforderung – auch für die kommende Saison. „Die Maßnahmen Geld zu verdienen liegen völlig brach. Die Clubs können weder in den Ticketvertrieb gehen, noch können Sponsoringverträge abgeschlossen werden“, so Bohmann angesichts der aktuell ausbleibenden Einnahmen.

Am 04. April gab die HBL bekannt, dass die Saison 2019/20 bis zum 16. Mai weiter pausiert. Dies ist laut Bohmann der späteste Zeitpunkt, zu dem der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden müsse. Ansonsten sei es nicht mehr möglich, die Saison bis zum 30. Juni abschließen zu können. Zurzeit gehe man auch in der HBL von Geisterspielen aus. Für Bohmann wäre: „alles andere ein Wunder.“ Sollte man die Saison sogar abbrechen müssen, rechne die HBL mit einem Verlust von 25 Millionen Euro bis zum 30. Juni.

Das Thema Geisterspiele hat laut Bohmann im Handball „andere Voraussetzungen als im Fußball“. Die Einnahmen durch Medienerlöse mit durchschnittlich rund fünf Prozent machen einen wesentlich geringeren Anteil am Gesamtumsatz aus als in der Fußball-Bundesliga. Um Kosten zu minimieren, stellt Bohmann eine Lockerung der Hallenstandards in Aussicht, damit Clubs auf kleinere Hallen ausweichen können. Jedoch sei dies keine langfristige Lösung: „Ein Geisterspiel kann für den Handball nur ein Ausnahmefall sein. Wenn Spiele ohne Zuschauer die Regel werden, dann wird professioneller Handball schwer darstellbar sein.“

Trotz der prekären Situation gibt sich Bohmann kämpferisch: „Alle wissen, dass die Corona-Krise irgendwann vorbei ist.“ Der HBL-Geschäftsführer zeigt sich auch erfreut über die Einstellung, die jeder einzelne Clubmanager in der jetzigen Zeit an den Tag lege. Gerade deshalb fordert Bohmann von allen Handball-Fans: „Bleibt eurem Club treu und helft ihm in der schweren Situation. Es wird sich auszahlen.“