Malitzke

DPD-CEO Malitzke: „Wir haben mehr als nur den werblichen Auftritt gesucht“

Seit der Saison 2020/21 ist DPD Ärmelsponsor von Eintracht Frankfurt. Eric Malitzke, CEO von DPD Deutschland, erklärt im Video-Interview mit SPONSORs, warum sich das Logistikunternehmen neuerdings im Sportsponsoring engagiert und welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf die Logistikbranche, aber auch auf die Inhalte der Partnerschaft mit der SGE hat.

Der Einfluss der Corona-Krise auf Wirtschaftszweige lässt sich nicht nur an finanziellen Kennzahlen festmachen, sondern auch an den individuellen KPIs einer jeden Branche. In der Logistikbranche zählt ohne Zweifel die Zustellung von Paketen dazu. Als der lokale Einzelhandel aufgrund der Pandemie und der getroffenen Maßnahmen im Jahr 2020 zeitweise schließen musste, hatte das natürlich einen massiven Effekt für die Marktteilnehmer. „Im Mai 2020 haben wir die Vorjahresmengen im Weihnachtsgeschäft erreicht“, rechnet Eric Malitzke, CEO der DPD Deutschland, im Gespräch mit SPONSORs vor: „Wir haben im Mai über 2,2 Millionen Sendungen pro Tag zugestellt.“ Auch im Spätherbst, als die Maßnahmen aufgrund erneut steigender Infektionszahlen verschärft werden mussten, hatten die DPD-Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. „In der Vorweihnachtszeit 2020 waren es über 2,5 Millionen Pakete und Sendungen täglich“, erklärt Malitzke. „Im vierten Quartal 2020 hatten wir eine Erhöhung von 20 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist massiv.“

Der 47-Jährige blickt trotzdem mit gemischten Gefühlen auf das Jahr zurück: „2020 wird in vielerlei Belangen in die Geschichte eingehen. Für die Paketbranche war die sichere Warenversorgung wichtiger denn je.“ Dabei hat sich nicht nur das Paketvolumen verändert, wie Malitzke resümiert: „In dieser Krise war das auch für die Öffentlichkeit ein Moment, in dem klar geworden ist, welche wichtige Versorgungsrolle Unternehmen wie DPD übernehmen.“ Im Jahr 2020 konnte die Logistikbranche insgesamt das Geschäftsvolumen erhöhen. „Aber schlussendlich ist der Grund kein positiver, weswegen Jubeln nicht angebracht ist“, sagt der CEO von DPD Deutschland.  

Malitzke wechselte im September 2019 in die Geschäftsführung von DPD Deutschland, die ihren Sitz in Aschaffenburg hat, und wurde im Februar 2020 CEO des Unternehmens – kurz bevor sich die Corona-Pandemie auch hierzulande ausbreitete. Der Manager blickt auf 15 Jahre Erfahrung in der Logistikbranche zurück. Vor seinem Wechsel zu DPD arbeitete er zwischen 2015 und 2019 bereits als CEO für das Logistikunternehmen Fiege Logistik (Schweiz) AG. Davor war Malitzke unter anderem als Director Operations für Amazon sowie als Chef des Leipziger DHL-Hubs der Deutschen Post und als Geschäftsführer des Flughafens Leipzig/Halle tätig.

„Sportsponsoring ist ein gutes Match“

Sowohl für DPD als auch für Malitzke selbst ist klar, dass E-Commerce in Zukunft noch wichtiger werden wird. „Dieses Jahr 2020 hat diesen Strukturwandel noch beschleunigt“, so Malitzke. Die DPD-Gruppe hat bereits vor Jahren auf diesen Trend reagiert. „DPD ist im Jahr 2013 in den B2C-Markt eingestiegen und hat dabei den Anteil des B2C-Geschäftes gegenüber dem B2B-Geschäft stetig erhöht“, erklärt der CEO. Im Jahr 2019 entfielen fast 50 Prozent des Auftragsvolumen des Unternehmens auf das B2C-Geschäft: ein Wachstum um neun Prozent gegenüber 2018. „Wir befinden uns in der Situation, mehr und mehr als einer der Branchenteilnehmer öffentlich wahrgenommen zu werden, die insbesondere die Haushalte mit Gütern des E-Commerce bedienen“, sagt Malitzke: „Diesen Wandel wollen wir vom Image und von der Wahrnehmung her gestalten.“

Ein Resultat dieses Wandels ist die zu Beginn der Saison 2020/21 begonnene Partnerschaft als Ärmelsponsor des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. „In der Auswahl der Möglichkeiten war für uns augenscheinlich, dass das Thema Sportsponsoring ein gutes Match ist“, begründet Malitzke. Die Kooperation mit der Eintracht läuft mindestens bis Sommer 2023; DPD bezahlt laut SPONSORs DATA rund 2,5 Millionen Euro pro Spielzeit. Doch der CEO des Unternehmens macht deutlich, dass dies keine klassische Werbepartnerschaft ist: „Wir haben mehr als nur den werblichen und kommunikativen Auftritt gesucht, nämlich eine Partnerschaft über viele Aspekte der Wahrnehmung und auch unseres täglichen Handelns.“

„‚TechTalents‘ einer der Gründe für das Engagement“

Die Liste an Themenfeldern, in denen DPD und Eintracht Frankfurt gemeinsam arbeiten, ist lang und geht von Merchandising bis eSport. „Der Großteil des täglichen und regelmäßigen Austausches mit der Eintracht findet in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder ‚TechTalents‘ statt.“ Vor allem der letzte Punkt, das 2019 gestartete Nachwuchsprogramm der Eintracht zur Förderung von digitalen Köpfen der Zukunft in der Metropolregion Frankfurts, hat es Malitzke und der DPD angetan: „Das Fellowship-Programm war einer der Gründe für das Engagement. Talentförderung ist für alle Unternehmen wichtig. Daran ändert auch jetzt die durch Corona veränderte Situation am Arbeitsmarkt nichts.“ Die Partizipation von DPD an ‚TechTalents‘ nimmt daher einen großen Raum in der Partnerschaft ein. „Es ist für die Logistikbranche wichtig, sich bei der Suche nach Talenten breiter aufzustellen. Eintracht Frankfurt hat mit der Talentförderung bereits begonnen“, sagt Malitzke.

Gleichzeitig will DPD mit der Partnerschaft Haltung zeigen und gesellschaftlich relevante Themen wie Toleranz und Multikultur im Rahmen des Engagements platzieren. „Ich glaube festzustellen, dass das, was wir in Deutschland und Europa als soziales Kapital betrachten, in diesem Moment doch ein flüchtigeres Gut zu sein scheint, als wir uns alle erhofft haben“, sagt Malitzke. „Deshalb ist es wichtig, gesellschaftliche Brücken zu bauen, aufrechtzuerhalten und zu verstärken. Und auch die Dinge zu zelebrieren, die Menschen unterschiedlicher Auffassungen auf ganz leidenschaftliche Art und Weise zusammenbringen.“ Eintracht Frankfurt sei der passende Partner. Denn der Club sei eine Institution in der Mitte der Gesellschaft, der „die verschiedensten Menschen und Interessengruppen miteinander verbindet.“

Die Partnerschaft mit Eintracht Frankfurt verbindet derweil auch bei DPD intern viele verschiedene Bereiche. Es gibt zwar eine Art „Brückenkopf“, der die Marketingaktivitäten innerhalb der DPD koordiniert. Sponsoring ist bei DPD aber nicht nur „Chefsache“. „Die Partnerschaft mit der SGE ist ein großes Engagement für die DPD und deshalb habe ich selbst ein gewisses Augenmerk auf diese Partnerschaft, aber sicherlich nicht im Tagesgeschäft“, sagt Malitzke. „Da habe ich gute Mannschaften, die allesamt total motiviert sind und großen Spaß an der Partnerschaft mit der SGE haben.“

In absehbarer Zeit dürfte der Sponsoring-Fokus von DPD ganz klar auf der Eintracht liegen. Pläne das Portfolio an Partnern im Sport zu erweitern gibt es nicht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass man sich lieber mit einer kurzen Liste an Themen eindringlich und fokussiert beschäftigen und diese erfolgreich gestalten sollte, als alles gleichförmig und in großer Anzahl zu bedienen“, erklärt Malitzke. „Insofern planen wir nicht, in dieser Form uns weiterzuentwickeln und mehrere Engagements gleichzeitig anzugehen.“

Foto: DPD

SPOBIS