Hölzl

DTB-Präsident Hölzl: „Wir müssen im Herbst in die Gänge kommen“

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) ist mit über fünf Millionen Mitgliedern der zweitgrößte Spitzenverband im Deutschen Sport. DTB-Präsident Alfons Hölzl spricht über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Turnsport und warum die Olympia-Verschiebung besonders schmerzhaft ist.

Unter dem Dach des DTB mussten bis einschließlich Juli schon rund 100 Veranstaltungen abgesagt werden. Insgesamt liegt der Schaden durch die Corona-Krise laut DTB-Präsident Hölzl schon heute im Millionenbereich. Mit der Arbeit des Verbands ist er aber dennoch zufrieden: „Wir haben die Krise bislang gut gemeistert“, stellt Hölzl fest. Zugute kommt dem DTB, dass schon vor Corona die Prozesse des Verbandes weitestgehend digitalisiert wurden. Viele Veranstaltungen und Lehrgänge können nun digital durchgeführt werden.

Das Haupteinnahmefeld des DTB sind die Mitgliedsbeiträge, welche die Landesturnverbände bezahlen. Damit ist der DTB sehr abhängig von der finanziellen Situation bei den Landesverbänden. Die Lage in den einzelnen Ländern ist laut Hölzl aktuell den Umständen entsprechend gut: „Bislang haben wir den Eindruck, dass wir auf Landesebene gut durch die Krise kommen.“ Aktuell profitiert der DTB von einem finanziellen Polster durch die Turn-WM 2019. „Wenn wir im vergangenen Jahr die WM nicht in Stuttgart ausgetragen hätten, hätten wir schon jetzt massive Probleme“, weiß Hölzl.

Insbesondere die Absage des Events „Die Finals – Rhein-Ruhr 2020“, in dessen Rahmen auch die Deutschen Meisterschaften im Turnen hätten stattfinden sollten, trifft den DTB dennoch hart. Allein der unmittelbare wirtschaftliche Verlust durch den Wegfall der Finals liegt im sechsstelligen Bereich. Langfristig ist der Schaden durch den Ausfall aber weitaus höher. Bei den Finals wäre der DTB mit dem Turnen, der rhythmischen Sportgymnastik und Parcours vertreten gewesen und wollte für diese Sportarten gerade mit diesem Highlight-Event auch neue Sponsoren gewinnen.

Sponsorensuche ohne Tokio 2020 schwierig

Hölzl richtet den Blick trotzdem nach vorne: Auf Basis der zehn Leitplanken des DOSB wurde beim DTB bereits die Basis für den Neustart gelegt. Sportartspezifische Konzepte und Handlungsanleitungen wurden erstellt. Gerade wird intensiv an Konzepten gearbeitet, wie der Wettkampfbereich konkret wieder gestartet werden kann. Hier ist der DTB wie viele andere Sportarten auf die Freigabe durch politische Entscheidungsträger angewiesen. Hölzl hofft auf eine möglichst baldige Entscheidung: „Wir müssen spätestens im Herbst, ab September, wieder in die Gänge kommen, sonst haben wir ein wirkliches wirtschaftliches Problem."

Für den DTB ist auch die Verschiebung der Olympischen Spiele ins Jahr 2021 ein großes Problem: „Wir sind nicht so sichtbar wie sonst“, sagt Hölzl. Der DTB hatte rund um Olympia insbesondere in den sozialen Medien viele Maßnahmen mit seinen Athleten geplant. Die nun fehlende Sichtbarkeit hat auch Auswirkungen auf die Vermarktung des wichtigsten DTB-Event 2021, dem Internationalen Deutschen Turnfest. Für die laut Hölzl „größte Breitensport-Veranstaltung der Welt“ findet der DTB momentan keine Sponsoren. Dabei sei das Event mit seiner Mischung aus Spitzen- und Breitensport eine ideale Gelegenheit, um sich zu präsentieren.

Foto: imago images / masterpress