Orthomol

Orthomol-Geschäftsführer Glagau: „Wir sind nicht der klassische Sponsor“

Im Video-Interview mit SPONSORs spricht Nils Glagau, Inhaber und Geschäftsführer von Orthomol, über seinen beruflichen Werdegang, die Marketingstrategie des Langenfelder Familienunternehmens und die Hintergründe und Ziele des Einstiegs als Haupt- und Trikotsponsor beim Hamburger SV.

Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt führt Nils Glagau (45) die Geschäfte von Orthomol, einem der Pioniere und heute führenden Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit Mikronährstoff-Kombinationen. Der Weg an die Spitze des im Jahr 1991 von seinem Vater Kristian Glagau gegründeten Unternehmens war für ihn jedoch nicht der klassische Karriereweg in einem Familienunternehmen. Glagau studierte zunächst Ethnologie und interessierte sich für Archäologie. Er nahm an Ausgrabungen und Feldforschungen in Mittelamerika und Nepal teil und lebte eine Zeit lang in einem tibetischen Kloster. „Mein Papa und ich waren zwei Alphamännchen. Das hätte, glaube ich, gar nicht so geklappt“, sagt Glagau. Trotz aktiver Mitarbeit im Innen- und Außendienst von Orthomol entschied er sich zunächst gegen eine Führungsrolle im Unternehmen.

Erst als sein Vater 2009 überraschend verstarb, übernahm der damals 33-Jährige seine jetzige Position als Inhaber und Geschäftsführer von Orthomol. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 400 Mitarbeiter, exportiert seine Produkte in über 30 Länder und erzielt einen jährlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Statt seine Produkte auch im Lebensmitteleinzelhandel oder in Drogerien zu verkaufen, setzt Orthomol dabei fast ausschließlich auf den Vertriebsweg über Apotheken: „Unsere Produkte stumm im Regal würde nicht passen“, sagt Glagau, der seit 2019 auch als Investor in der Jury der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwe“ sitzt. Stattdessen sei Orthomol wichtig, „dass eine Fachkompetenz diese Produkte begleitet“.

Der Markt für Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland ist in den vergangenen Jahren jährlich um rund fünf bis sechs Prozent gewachsen. Im Jahr 2019 erwirtschaftete die Branche einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Trotz der Corona-Pandemie zeigt sich der Orthomol-Geschäftsführer auch für ein zukünftiges Wachstum optimistisch. Innovation ist dabei ein stetiger Treiber des Unternehmens: Glagau ist sich sicher, dass in Zukunft noch viele „tolle Produktideen“ auf den Markt kommen. Neben der Innovationskultur sorgt für weiteres Wachstum aber auch „das steigende Bewusstsein, etwas für seinen Körper zu machen“.

Lange Geschichte im Sport

Während Orthomol im klassischen Sportsponsoring erst seit wenigen Jahren aktiv ist, spielt der Sport bereits seit der Gründung des Unternehmens eine wichtige Rolle. „Wir haben schon sehr früh eng mit Sportmedizinern, Betreuerteams im Fußball, Tennis und Eishockey sowie mit Athleten zusammengearbeitet“, berichtet Glagau, der selbst in seiner Freizeit leidenschaftlich gern Sport treibt. Aus diesen Partnerschaften sei über die Jahre „immer mehr entstanden“ und auch das Thema Marketing nahm Fahrt auf. Über Partnerschaften in verschiedenen Sportarten, zunächst noch in Form von Barter-Verträgen, ergab sich für Orthomol im Juni 2017 schließlich die Möglichkeit, als Haupt- und Trikotsponsor bei Fortuna Düsseldorf einzusteigen. Dieser Schritt sei naheliegend gewesen, da „dort bereits einige Spieler und der Physiotherapeut sehr gute Erfahrungen mit unseren Produkten gemacht hatten“, sagt Glagau.

„Springen über unseren Schatten“

Die Trikotbrust von Düsseldorf verließ Orthomol bereits nach einer Saison und dem Bundesliga-Aufstieg der Fortuna, der seitens des Clubs mit höheren finanziellen Erwartungen verbunden war. Für die Spielzeit 2019/20 feierte das Langenfelder Unternehmen dann ein kurzes Comeback als Ernährungspartner des damaligen Bundesligisten. Seit September 2020 wirbt Orthomol nun als Haupt- und Trikotsponsor des Hamburger SV in der 2. Bundesliga und lässt sich sein Engagement laut SPONSORs DATA rund zwei Millionen Euro pro Saison kosten. Orthomol sei nicht der „klassische Sponsor“, erklärt Glagau: „Wenn die Geschichte passt und es eine ehrliche Kooperation ist, dann springen auch wir über unseren Schatten“, führt der DHDL-Investor aus, warum Orthomol für das Sponsoring-Engagement beim HSV auch ein höheres Invest als in der Strategie üblich in Kauf nimmt.

Der Fußball-Zweitligist liefere viele thematische Anknüpfungspunkte, investiere gerade in den „Bau eines Gesundheitszentrums vor den Toren des Volksparkstadions“ und auch sonst stehe der Club „voll und ganz hinter dem Thema“. Das HSV-Engagement dient in jedem Fall auch der Bekanntheitssteigerung, die sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirken soll. Die Marketingstrategie von Orthomol beschreibt Glagau unabhängig davon als „breit gefächert“: „Für uns als mittelständisches Unternehmen ist es kein typischer Weg zu sagen: Wir gehen über große Sponsorings und Testimonials.“ Stattdessen verfolge Orthomol in seiner Kommunikation meist den Ansatz, über von den Produkten überzeugte Leistungssportler und kleinere Influencer die breite Masse zu erreichen.

Foto: Orthomol

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