Häußler

Siemens-Sponsoringleiter Häußler: „Sportsponsoring als Technologie-Partnerschaft“

Im Sommer 2020 verlängerte Siemens die Partnerschaft mit dem FC Bayern München um weitere drei Jahre. Im Gespräch mit SPONSORs erklärt Jens Häußler, Team Lead Corporate Sponsoring & Donations des Konzerns, wie Siemens das Sportsponsoring nutzt, um sich als Tech-Unternehmen global zu positionieren.

Die Siemens AG ist bislang „mit einem blauen Auge“ durch die Corona-Krise gekommen, sagt Jens Häußler in Interview mit SPONSORs. Im Geschäftsjahr 2020, das am 30. September 2020 endete, erzielte der Konzern einen Umsatz von 57,1 Milliarden Euro sowie einen Gewinn nach Steuern von 4,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2019 lag der Gewinn bei 5,6 Milliarden Euro. Insbesondere das breite Angebot an digitalen Lösungen für die Industrie hätte auch in diesen wirtschaftlich komplizierten Zeiten für das gute Geschäftsergebnis von Siemens gesorgt. Hieraus entspringt auch der Anspruch von Siemens, den Häußler so formuliert: „Wir wollen das Tech-Unternehmen sein, das weltweit für die Industrie und das produzierende Gewerbe, die erste Anlaufstelle ist.“

Häußler ist bereits seit 2001 in verschiedenen Positionen für Siemens tätig. Als Team Lead Corporate Sponsoring & Donations verantwortet er heute unter anderem die Sportsponsoring-Aktivitäten des Konzerns. Die Sponsoringstrategie wurde im Zuge der Corona-Krise auch bei Siemens hinterfragt. Die Verlängerung mit dem FC Bayern München war jedoch aufgrund der erfolgreichen gemeinsamen Zeit seit 2017 schon vor der Pandemie beschlossen worden. „Eine Selbstverständlichkeit ist so ein großes Investment aus unserer Perspektive nie“, räumt Häußler ein.

Infrastruktur und Nachhaltigkeit

In der Partnerschaft mit dem FC Bayern setzt Siemens vor allem auf die Themen Infrastruktur und Nachhaltigkeit. „Wir begreifen Sportsponsoring im Kern als Technologie-Partnerschaft“, erklärt Häußler. Die Kooperation mit dem aktuellen deutschen Fußball-Meister soll genutzt werden um Showcases für das Produktportfolio von Siemens zu kreieren und diese erlebbar zu machen. Der Konzern, der selbst bis 2030 klimaneutral sein will, möchte insbesondere mit seinem Know-how helfen, den Ressourceneinsatz beim FC Bayern kostengünstiger und klimaschonender zu gestalten.  Dafür hat Siemens unter anderem eine Greenkeeper-App entwickelt und arbeitet mit dem Club aktuell an diversen, klimaschonenden Lösungen rund um die Allianz-Arena. „Auch der Fußball muss Antworten darauf finden, wie ein Fußballspiel und eine Saison nachhaltig betrieben werden kann“, beschreibt Häußler die Aufgaben für die Zukunft.

Auf klassische Werbemaßnahmen mit dem FC Bayern setzt Siemens hingegen nur kaum. „Wir sind nicht auf der Bande“, sagt Häußler. Das Dax-Unternehmen nutzt die Partnerschaft insbesondere auf internationaler Ebene, China und der mittlere Osten spielen hier eine wichtige Rolle. Auch bei den Aktivierungen geht Siemens einen eigenen, technologie-getriebenen Weg. Mit der Kampagne „Reimagine the game“ wurde in den vergangenen Jahren gemessen, welche Effekt die Energie der Fans im Stadion auf das Spiel hat. Mithilfe von Akustischen Kameras wurden die Fangeräusche gemessen und die akustischen Daten auf ein 3D-Modell des Stadions übertragen. Nur wird das Projekt auch ohne Stadionbesucher weitergeführt (siehe Video):

Weitere Sponsoring-Aktivitäten von Siemens sind momentan nicht geplant. „Im Fußball brauchen wir neben dem FC Bayern keinen anderen Partner“, legt sich Häußler fest. Andere Sportarten könnten hingegen dann interessant werden, wenn Siemens Anknüpfungspunkte für den technologie-orientierten Ansatz findet. So Ist das Unternehmen aktuell Technologie-Partner von drei Formel-1-Rennställen und auch im Segeln als Partner aktiv. Neue Trends wie den eSport werden ebenfalls genau von Siemens beobachtet. Noch hat Siemens für diese „spannende Zielgruppe“ aber noch nicht den richtigen Ansatz gefunden.

Frucht
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Dr. Stephan Frucht (47) weist eine Vita vor, die man mindestens als außergewöhnlich bezeichnen kann. Nach seinem Violin-Diplom und der Promotion in Humanmedizin ist er seit 2015 für die globale Leitung aller Kultur- und Sponsoringprogramme der Siemens AG verantwortlich. Im SPONSORs-Podcast spricht Frucht über seinen ungewöhnlichen Werdegang und erklärt, was der Sport von der Kunst- und Kultur-Branche lernen kann.

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