Weigler

Uber-Geschäftsführer Weigler: „Fußballspiele und andere Veranstaltungen sind ein großer Teil unseres Geschäfts“

Der US-amerikanische Dienstleistungsvermittler Uber ist seit Dezember 2020 Mobilitätspartner bei Eintracht Frankfurt. Für das Unternehmen ist der Einstieg bei einem Fußball-Bundesligisten das erste Engagement dieser Art in Deutschland – weitere könnten folgen. Christoph Weigler, General Manager der DACH-Region, spricht im Video-Interview mit SPONSORs über die strategischen Ziele des Sponsorings, die Auswirkungen der Pandemie und Technologien der Zukunft. 

18 Millionen vermittelte Fahrten täglich und 100 Millionen Nutzer monatlich in über 70 Ländern machen Uber zu einer der größten Vermittlungsplattformen zur Personenbeförderung der Welt. Das Geschäftsmodell ist relativ einfach und wohl genau deshalb so erfolgreich: Per App können Nutzer professionelle oder private Fahrer bestellen, die sie zu ihrem Wunschort befördern. Bezahlt wird selbstverständlich digital. Trotz des erheblichen Einbruchs des globalen Verkehrsaufkommens wegen Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie funktioniert das Business: 2020 schloss Uber das Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 11,14 Milliarden US-Dollar ab. Das sind zwar zwei Milliarden US-Dollar weniger als noch vor der Pandemie, aber noch immer ein gigantisches Volumen für ein Unternehmen, das erst knapp zehn Jahre auf dem Markt ist.

Doch Umsatz allein ist bekanntlich nicht alles: Unter dem Strich kämpft der Fahrdienst mit einem gigantischen Minus. Der Verlust im Jahr 2020 betrug 6,8 Milliarden US-Dollar. Dabei erlebte Uber zwei extrem unterschiedliche Entwicklungen seiner Geschäftsbereiche: Während die Nachfrage nach Fahrten um nahezu 50 Prozent einbrach, verzeichnete insbesondere der Essenslieferdienst Uber Eats ein Wachstum von 130 Prozent. „Wir haben sehr deutlich gesehen, dass die Nachfrage im Bereich Delivery erheblich gestiegen ist“, sagt Christoph Weigler, General Manager der DACH-Region, über die internationale Entwicklung. In Deutschland tritt Uber in acht Städten bisher ausschließlich als Vermittler von Fahrten auf, der Essenslieferdienst ist noch nicht verfügbar.

Viele rechtliche Hürden in Deutschland

Was den rechtlichen Rahmen für das Geschäft von Uber angeht, sind andere Staaten Deutschland um einige Schritte voraus. Das kürzlich angepasste Personenbeförderungsgesetz sieht Weigler noch nicht als großen Wurf: „Es steht symptomatisch dafür, wie schwer sich Deutschland in vielen Bereichen der Digitalisierung tut.“ Im Kern geht es unter anderem um die sogenannte Rückkehrpflicht, die besagt, dass beispielsweise Uber-Fahrer nach Abschluss eines Auftrags erst wieder zurück zu ihrer Zentrale fahren müssen. Die Mitnahme von Personen, die am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit warten, oder das zwischenzeitliche Warten auf einen Auftrag sind somit weiterhin verboten.

Auch beim Ridepooling, dem Teilen eines Fahrzeugs mit mehreren Personen mit den gleichen oder ähnlichen Zielen, sieht Weigler Verbesserungsbedarf: „Alles ist mit extrem hohen Auflagen verbunden und rechtlich kompliziert reguliert“, so sein Fazit. Zumindest aber wurden inzwischen eigene Rechtsgrundlagen für digitale Fahrtenvermittler und Shuttle-Dienste geschaffen, die neue Angebote nun regulär zulassen. Für Uber, das in Deutschland laut Weigler weiter „signifikantes Wachstum“ erzielt und auch in ländlichen Regionen expandieren will, sind das allerdings nur „kleine Schritte”.

„Eintracht Frankfurt passt perfekt zu uns“

Um seine Dienste bekannter zu machen, geht Uber in Deutschland seit Dezember 2020 neue Wege und setzt auch auf das Thema Sponsoring. Das US-amerikanische Unternehmen hat mit Eintracht Frankfurt eine Mobilitätspartnerschaft geschlossen – für Uber die erste dieser Art im Umfeld des Profifußballs. „Die Eintracht hat in Frankfurt einen Stellenwert, der selbst für einen Bundesligaverein überdurchschnittlich hoch ist. Sie ist durch alle Bevölkerungsschichten hindurch beliebt. Außerdem fanden wir das Führungsteam sehr spannend, weil es sehr digitalaffin ist und vom kulturellen Fit perfekt zu uns passt“, nennt Weigler die Gründe für die Zusammenarbeit.

Fußballspiele und auch andere Großveranstaltungen seien für Uber ein „großer Teil des Geschäfts“ und damit sowohl aus Sicht der Marke als auch für die Nutzer besonders interessant. Bei der Frage nach der effizienteren An- und Abreise möchte Uber mit seinen Diensten weitere Optionen schaffen und das Verkehrsaufkommen dadurch entlasten. Weil Zuschauer aktuell jedoch nicht in die Stadien dürfen und der Vertrag mit der Eintracht vorerst nur bis zum 30. Juni 2021 gültig ist, spricht derzeit viel für eine Verlängerung. „Wir sind langfristig am Standort Frankfurt interessiert“, bekräftigt Weigler, der sich sogar eine Ausdehnung von Mobilitätspartnerschaften in weiteren Städten vorstellen kann. Erste Gespräche mit anderen Clubs in der Bundesliga haben bereits stattgefunden.

Foto: Uber

SBC

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